1975 – 2026
Ein halbes Jahrhundert gelebte Menschlichkeit
Am 20. September 2026 haben wir in der Stadthalle Hachenburg das 50-jährige Bestehen des Freundeskreises Westerwald gefeiert – mit Grußworten, Festreden, Ehrungen und vielen Begegnungen.
Wie alles begann
Im Jahr 1975 schlossen sich einige abstinente Suchtkranke zu einer Selbsthilfegruppe zusammen. Mit diesem Zusammenschluss legten sie den Grundstein für den heutigen Freundeskreis Westerwald.
Fünf Jahrzehnte später haben wir dieses Jubiläum gemeinsam begangen: Am Vormittag würdigten wir im offiziellen Teil mit Grußworten, Festreden und Ehrungen die Menschen und die Geschichte, die den Freundeskreis geprägt haben. Ab 14:00 Uhr öffneten wir unsere Türen für Familien, Interessierte, Wegbegleiter und Freunde aus dem gesamten Landesverband – im Zeichen von Begegnung, Austausch und Kommunikation.
Impressionen vom Festtag
Grußworte
Pfarrer Daniel Balschmieter
Ev. Kirchengemeinde Hachenburger Land – Grußwort und Segen im Namen des Kirchenvorstands.
Sabine Bätzing-Lichtenthäler
Stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend.
Die Festansprache
Liebe Mitglieder des Freundeskreises Westerwald,
liebe Wegbegleiter und Freunde,
liebe Festgäste,
heute feiern Sie und wir 50 Jahre – ein halbes Jahrhundert! – Freundeskreis Westerwald. Grund und Anlass auch für einen dankbaren Rückblick.
Dankbar für Menschen, die sich engagiert haben.
Und für Menschen, die den Mut hatten, Hilfe anzunehmen.
Dankbar für all die Begegnungen, aus denen Hoffnung und neue Wege entstanden sind.
Dankbar für Ihr Engagement!
Und als Pfarrer darf ich Ihnen sagen: Ihr Engagement ist auch gut paulinisch. Denn wie der Apostel schreibt: „Einer trage des anderen Last“ – so könnte heute und hier auch dieses Wort des Paulus über Ihrem Jubiläum stehen. Denn dieser kurze Satz beschreibt sehr viel von dem, was den Freundeskreis Westerwald und Ihr Engagement ausmacht.
Und genau hiervon erzählen 50 Jahre Freundeskreis Westerwald:
Denn Menschen haben hier einander zugehört.
Sie haben von ihren eigenen Erfahrungen erzählt.
Sie haben ausgehalten, wenn etwas schwierig wurde.
Sie haben Mut gemacht, wenn jemand selbst keinen Mut mehr hatte.
Sie haben sich gegenseitig an eines erinnert:
Und dabei ist es etwas Besonderes, dass im Freundeskreis Westerwald Menschen einander begegnen, die nicht nur theoretisch um Sucht wissen. Sondern auch, was eine Sucht mit einem Menschen und mit einer Familie machen kann.
Weil Sie manche Wege selbst kennen.
Weil Sie wissen, wie schwer ein erster Schritt sein kann.
Weil Sie aber auch wissen, dass ein neuer Anfang möglich ist.
Und in Ihrem Wissen, liebe Mitglieder des Freundeskreises Westerwald, liegt die besondere Stärke der Selbsthilfe:
Derjenige, der heute anderen Mut macht, war vielleicht selbst einmal derjenige, der Mut gebraucht hat.
Diejenige, die heute zuhört, hat vielleicht selbst erlebt, wie wertvoll es ist, wenn jemand ein offenes Ohr hat.
Diejenigen, die heute anderen die Hand reichen, wissen vielleicht noch ganz genau, wie es sich anfühlt, wenn einem selbst jemand die Hand reicht.
In Ihren Erfahrungen liegen Kraft und Stärke füreinander. Nicht dadurch, dass alle stark sind. Sondern dadurch, dass Sie einander auch die Schwäche zeigen dürfen. In Gemeinschaft. Als Gemeinschaft. Als Kreis von Freundinnen und Freunden.
Und somit und von hier aus denke ich noch einmal an Paulus: Er schreibt nicht: „Jeder trage seine Last selbst.“ Oder: „Jeder muss seine Last alleine tragen.“ Sondern er schreibt:
Das ist gerade heute eine wichtige Botschaft. Denn Menschen erleben immer wieder, dass sie funktionieren müssen, dass sie stark sein sollen und mit ihren Problemen gefälligst alleine zurechtkommen müssen.
Sie, der Freundeskreis Westerwald, setzen dem etwas entgegen. Nämlich Haltung und Zuspruch:
Du darfst neu anfangen.
Und du musst deinen Weg nicht alleine gehen.
50 Jahre Freundeskreis Westerwald bedeuten deshalb mehr als ein Vereinsjubiläum. Es sind 50 Jahre gelebte Menschlichkeit. Und ich bin gewiss und vertraue mit Ihnen darauf, dass dieser Gedanke, diese Haltung auch in Zukunft Menschen trägt – Menschen, die selbst von Sucht betroffen sind, und ebenso ihre Angehörigen.
Als Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Hachenburger Land darf ich Ihnen, liebe Mitglieder des Freundeskreises Westerwald, zu Ihrem Festtag nicht nur die Glückwünsche des Kirchenvorstands übermitteln, sondern darf mit Ihnen auch für Ihre nächsten Schritte und Jahre und Jahrzehnte neben seinen Worten auch die Hoffnung des Apostels Paulus teilen: Gott selbst trägt uns. Denn auch, wenn wir füreinander da sein und einander tragen können – alles alleine tragen, das können wir nicht.
Und vielleicht begegnet Gottes Hilfe gerade so auch durch Menschen wie Sie im Freundeskreis Westerwald, durch die Menschen, die Gott als Freundinnen und Freunde zur Seite stellt.
Menschen, die bleiben. Menschen, die zuhören. Menschen, die sagen:
Liebe Mitglieder des Freundeskreises Westerwald,
ich gratuliere Ihnen, auch im Namen des Kirchenvorstands, zum 50-jährigen Vereinsjubiläum. Und ich wünsche Ihnen von Herzen, dass alle, die zu Ihnen kommen, eines erfahren: Ich bin nicht allein.
Möge Gott Sie, Ihr Tun und Engagement auch weiterhin durch seinen Segen geleiten und behüten! Und so schließe ich meine Worte mit einem Gebet, mit Worten zu Gott:
Segensgebet
Barmherziger Gott,
wir danken dir für 50 Jahre Freundeskreis Westerwald.
Danke für alle Menschen, die sich engagiert haben,
für alle, die Hilfe angenommen haben,
und für alle, die anderen Hoffnung und Mut geschenkt haben.
Segne alle, die heute zum Freundeskreis gehören.
Schenke den Menschen, die mit einer Suchterkrankung leben,
Kraft für den nächsten Schritt und Menschen, die sie begleiten.
Schenke den Angehörigen Entlastung, Geduld und Zuversicht.
Segne alle, die sich engagieren.
Gib ihnen offene Ohren, ein weites Herz und Kraft für ihre Aufgabe.
Lass den Freundeskreis Westerwald auch in Zukunft ein Ort sein,
an dem Menschen einander tragen,
einander Mut machen und neue Hoffnung finden.
Und schenke du das Vertrauen, dass du selbst es bist, der uns trägt.
So segne und begleite du den Freundeskreis Westerwald
und alle Menschen, die zu ihm gehören.
Und so segne und behüte euch
der allmächtige und barmherzige Gott:
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Herzliche Grüße
Daniel Balschmieter, Pfr.
Du bist nicht allein.
Was vor 50 Jahren begann, gilt bis heute: Bei uns findest du Menschen, die zuhören und ein Stück des Weges mit dir gehen – als Betroffene oder Angehörige.
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